Technik, Interpretation und Ausdruck
Die Frage, was denn nun beim Singen wichtiger wäre, Technik oder Ausdruck und Interpretation, ist ein bisschen wie die Frage nach der Henne und dem Ei.
Ich persönlich bin durch meine tägliche Arbeit von der Wichtigkeit der Gesangstechnik als Basis einer tollen Gesangsperformance überzeugt. Natürlich ist es wichtig für uns Sänger Emotion, Ausdruck und Individualität rüberzubringen, um unser Publikum zu berühren und zu erreichen. Doch um unser gesamtes Potential optimal einzusetzen, ist all das nur mit einer entsprechenden Gesangstechnik auf Dauer machbar, die, ob sie es glauben oder nicht, so gut wie jeder erlernen kann.
Wer jetzt die ultimativen „Zauberübungen“ erwartet, den muss ich hier leider enttäuschen. Dazu müsste ich sie schon leibhaftig vor mir stehen haben. ;-)
Ich verzichte im ersten Teil auf detaillierte Übungen, die können sie in jedem Gesangsbuch nachlesen. Bei Gesangsübungen kommt es letztlich nicht so sehr auf das „was“ sondern auf das „wie“, „wann“ und „für wen“ an! Deshalb ist es auch kaum möglich, sich Gesang im Selbststudium vernünftig beizubringen. Ich werde versuchen, Ihnen in dieser Reihe einige Tipps anzubieten, die sie nicht an jeder Ecke bekommen, auch auf die Gefahr, manchen Musiker-, Produzenten-, oder Lehrerkollegen damit vor den Kopf zu stoßen.
Die meisten ambitionierten Sänger nehmen früher oder später Gesangsstunden oder starten eine mehr oder weniger professionelle Stimmausbildung, in der Hoffnung sie würden dadurch bessere Sänger. Diese Hoffnung ist durchaus berechtigt, schließlich gibt es ausgezeichnete Lehrer die die individuellen Anlagen des Sängers erkennen und entsprechend zu fördern imstande sind, ohne deren individuellen Stimmsound zu zerstören.
Leider gibt es aber auch einige, die in Wirklichkeit den Sänger, wenn auch ungewollt, betrügen! Ja, ich sage bewusst betrügen, oder wie würden sie es nennen, etwas Gutes ohne Wissen des Auftraggebers zu verschlechtern? Ich habe Sänger und Sängerinnen gehört, die mich baten, ihre Gesangsdarbietung zu beurteilen, denen ich nur antworten konnte, sie hätten sich statt der Gesangsstunden besser einen schönen Urlaub geleistet.
Sie wurden entweder zu Kopfstimmsäuslern oder zu Bruststimmbrüllern verbildet!
Von Kopfstimmsäuslern und Bruststimmbrüllern
Woher meine Wortkreation?
Ganz einfach. Kennen sie nicht auch manch glockenklare, zarte, manchmal sogar noch vermeintlich klassisch gebildete Frauenstimme z.B. aus (europäischen) Kirchenchören, bei der man im Vergleich zu einer guten Gospelsängerin fast schon ein Hörgerät braucht, um noch irgendetwas wahrzunehmen? Man möchte am liebsten mithelfen, weil es sich anhört, als würde der „Motor“ dieser Sängerin, speziell in den tieferen Gesangslagen, jeden Moment absterben, nicht? Sie klingt künstlich, ja fast schon „hilflos. Ich nenne so etwas dann Kopfstimmsäusler. - Irgendjemand hat ihr wohl erklärt, sie dürfe ausschließlich ihre Kopfstimme zum Singen einsetzen...
Oder der Rocksänger,dem vor lauter brachial Schreierei jegliche Höhe und Beweglichkeit abhanden gekommen ist und der nun verzweifelt um bis vor kurzem noch singbare Töne kämpft?
Dabei sind an seinem Hals fingerdick die Adern als Zeugen seines totalen Einsatzes in Kombination mit ziemlich roter Gesichtsfarbe sichtbar. Von Konzert zu Konzert sind hohe Töne nur mehr mit Gewalt erreichbar und die Stimme wird immer rauher bzw. „rockiger“, um letztlich ganz zu versagen.
Das alles nur, weil ihm wohl irgendjemand erklärt hatte, Männer, insbesondere Pop und Rocksänger, würden nur in der Bruststimme singen…
Put it in the Mix!
Beides ist schlicht und einfach Bullshit!!
Egal welcher Stil, ob Pop, Soul, R’nB, Rock oder Musical, die Lösung für solche Probleme liegt in der Verbindung der beiden „Welten“ Kopf- und Bruststimme.
Dem „Mix“!
Machen Sie den Test - Bruststimme, Kopfstimme, Mix?
Nehmen wir das Jodeln. Dabei wird der Bruch zwischen Bruststimme und Kopfstimme ganz bewusst eingesetzt, man hört den Wechsel (Bruch) ziemlich eindeutig.
Wenn Sie von einem tiefen Ton beginnend Ihre Stimme in eine höhere Tonlage führen, kann dieser Effekt auch bei Ihnen (ungewollt) auftreten und zeigt, wo in etwa der Übergang von Brust zu Kopfstimme bei Ihnen liegt.
Probieren Sie es ruhig gleich aus!
Für einen technisch versierten Sänger-in sollte das bruchlose Durchsingen dieses Bereichs kein Problem sein. Klappt das bei Ihnen noch nicht so ganz, wären ein paar Gesangsstunden sicher eine gute Idee. Bei der unausgebildeten Stimme wird die Bruststimme meist lauter als die Kopfstimme sein. Der Mix gleicht das aus.
Am besten, wir hören uns den so genannten Mix anhand eines Beispiels an:
Mix klingt ähnlich wie Bruststimme, ist aber keine!
Unter den
Hörbeispielen der Voice Train Website finden Sie z.B. den Norah Jones Song „Don`t know why“, gesungen von einer unserer Schülerinnen. Die Zeilen … my heart is drenched in wine… und .. you’ll be on my mind…. sind in „Mix“ gesungen, wie wir es auch von Michael Jackson, Robbie Williams, Simply Red, Beyonce, George Michael, Prince, Christina Aguilera, oder den Pussycat Dolls kennen.
Das zu beherrschen, ist ein wichtiger Baustein für erfolgreiches Singen.
Manche gesangliche Fortschritte meiner Studenten und Klienten sind für Sänger wie Kollegen schwer vorstellbar, ich lade Sie aber gerne ein, sich persönlich zu überzeugen oder einen Workshop für Ihre Band, Ihre Künstler, Ihren Chor oder Lehrkörper etc. in Ihrer Stadt zu initiieren und natürlich auch persönlich davon zu profitieren.
In diesem Sinne freue ich mich auf ein baldiges Kennenlernen
und wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Stimme
Ihr Robin D.
www.robin-d.com